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Dostojewskij: Die Brüder Karamasow

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Kaum war einige Zeit ins Land gegangen, heiratete Fjodor Pawlowitsch wieder, auch seine zweite Frau war eine junge Schönheit, mit der er sich auf einer Geschäftsreise in einem anderem Gouvernement bekannt gemacht hatte, jedoch war Sofia Iwanowna von einem ganz anderem Charakter als Fjodor Pawlowitschs erste Gemahlin, sie war eine ruhige, gutherzige, sanfte Persönlichkeit, stark in ihrem Glauben. Die zweite Ehe hielt acht Jahre, doch wäre sie wahrscheinlich gar nicht zu Stande gekommen, hätte die sechzehnjährige damals schon gewusst dass sie aus einer Knechtschaft in ein andere wechselte, sie wohnte nämlich als Weisenkind bei einer Wohltäterin, einer strengen Generalin bei der sie immer Zurechtweisungen hatte erleiden müssen. So war die Heirat ihre erst-beste Gelegenheit um aus diesem Hause zu kommen. Fjodor Pawlowitsch behandelte seine zweite Gattin nicht einer Ehefrau würdig, wegen ihrer Sanftheit trat ihre Rechte mit beiden Füssen, und lud sogar, in den späteren Jahren der Ehe, leichte Frauen in Sofia Iwanownas Anwesenheit in ihr Haus ein, solch ein großer Lüstling war dieser Fjodor Pawlowitsch gewesen. In solchen Momenten betete Sofia Iwanowna immer, und einmal wurde Fjodor Pawlowitsch sogar auf das beten seiner Frau wütend, er zerschlug die Ikonen Marias und Christies, und da erkrankte sie an einer psychischen Krankheit, die sich durch hysterische Anfälle äußert, und die Betroffene sogar zeitweilig den Verstand verlieren kann, genannt wird diese Krankheit Klikuschki, was übersetzt "Schreierinnen" bedeutet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Iwan, im ersten und Alexej, im vierten Jahr der Ehe ebenso wie Dimitrij vor ihnen, wurden sie von dem Vater nicht beachtet, und als dann im achten Jahr der Ehe die Mutter starb, wurden die beiden von der Generalin, die die Ehe beobachtete, und sogar nach dem Tode Sofia Iwanownas noch immer Nachtragend dafür war, dass Sofia Iwanowna sie damals verlassen hatte - sie sagte das der Tod ihr zurecht gekommen sei -, nahm aber die zwei Kleinen an sich. Als die Generalin kurz darauf starb, hinterlies sie Iwan und Alexej je ein tausend Rubel für ihre Schulausbildung. Das Geld legte man mit Zinsen an, so wuchs es bis es benötigt wurde, auf zwei tausend. Iwan finanzierte später mit diesem Geld eine Auslandsreise nach Europa während seines Studiums. Mit dreizehn Jahren bereits erkannte man in Iwan einen sehr intelligenten Menschen, so wurde damals nach Moskau gebracht zu einem bekannten Pädagogen, während Alexej in Obhut eines guten Bekannten, und des Haupterben der Generalin blieb. Dieser Mann, Jefim Petrowitsch Polenow, war der Gouvernement-Adelsmarschall, er schloss den kleinen Aljoscha so in sein Herz, dass er ihn in seiner eigenen Familie aufwachsen und erziehen lies. Iwan hingegen musste für seinen Lebensunterhalt selber sorgen. Trotz der zweitausend Rubel arbeitete Iwan neben dem Studium an der Akademie der Naturwissenschaften, meist für eine Zeitung, verfasste kleine amüsante Berichte die schnell unter den Verlagen begehrt wurden, später verfaste er ganze Artikel wie über die Gerichtsbarkeit der Kirche.

Nach dem Tode Sofia Iwanownas unternahm Fjodor Pawlowitsch Reisen durch Russland, blieb schließlich für eine lange Zeit in Odessa, in Südrussland, wo er Bekanntschaften mit Juden schloss, finanzielle Dinge sich aneignete, die Mädchen allerdings, vergas er dabei nicht. Erst etwa drei Jahre vor der trefflichen Ankunft seiner Söhne, vorerst Aljoschas, kehrte er in das Städtchen zurück.

Als drei Jahre später Aljoscha zu seinem Vater zurückkehrte, zeigte sich Alexej ein Mann, der sichtlich über sein Alter gealtert ist, das Gesicht Fjodor Pawlowitschs wirkte rundlich, aufgedunstet und fett, überhaupt war Fjodor Pawlowitsch klein vom Wuchs, wirkte jedoch nicht untersetzt, zusammen mit seine gebrochener Nase und seinem herabhängenden, wulstigen Adamsapfel verlieh ihm sein Äußeres ein Markantes, doch alltägliches Aussehen, vielleicht nicht unbedingt das eines typischen russischen Geschäftsmannes, er sah eher aus wie ein "römischer Patrizier der Verfallszeit" wie er es selber ausdrückte, doch will ich mich nicht zu lange an dieser Stelle aufhalten. Alexej machte auf Fjodor Pawlowitsch einen tiefen Eindruck, vielleicht ist "Eindruck" hier das falsche Wort, Aljoscha schien in ihm wieder etwas zu beleben, was schon seit langem in ihm verstorben zu sein schien. Fjodor Pawlowitsch lies sich in den drei Jahren, in denen er wieder in der Stadt wohnte oft gehen, war oft zerstreut, brachte seine Sachen, die er angefangen hatte, oft nicht zu ihrem Abschluss und betrank sich immer mehr, wenn man gesteht, eigentlich jeden Abend, doch seit Aljoscha bei ihm im Haus wohnte besann er sich wieder auf das Familienleben, nicht das die Frauenbesuche im Haus aufhörten, doch wurde Fjodor Pawlowitsch sentimentaler.

Während Aljoscha bei seinem Vater, in seiner Geburtstadt, wohnte, schien er über etwas nachzudenken, ging oft an das Grab seiner Mutter, bis er auf einmal seinem Vater entschlossen bekundete, er wolle in das Kloster eintreten, und die Mönche wollten ihn schon als Novizen aufnehmen. Sichtlich erstaunt war Fjodor Pawlowitsch in diesem Augenblick dass sein "ruhiger" Junge sein Inneres gefunden und bestätigt zu haben schien, und lies seinen jüngsten den Weg gehen den er sich gefunden hatte, allerdings währe Fjodor Pawlowitsch es auch nie in den Sinn gekommen seinen Sohn von seinem Weg abzubringen, höchstens einen Ratschlag geben, wollte er. Alexej trat daraufhin in das Kloster ein, sein Lehrer und geistiger Vater wurde Starez Sosima, den die ganze Familie noch kennenlernen sollte, und auf den ich noch gleich zurückkommen werde. Und obwohl Alexej jetzt wusste das alles was er in seinem Herzen gefühlt hatte richtig war, war er jedoch nicht als Mensch gefestigt, aber wer kann dies auch mit 19 Jahren von sich behaupten?

  
Weiße Nächte. (Taschenbuch)
von Fjodor M. Dostojewskij
Siehe auch:
Die Sanfte. Eine phantastische Erzählung
von Fjodor M. Dostojewski
Aufzeichnungen aus dem Kellerloch.
von Fjodor M. Dostojewski
Arme Leute.
von Fjodor M. Dostojewski
Der Spieler
von Fjodor M. Dostojewski
 
    
     
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