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Dostojewskij: Die Brüder Karamasow

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Mit Iwans Ankunft in der Stadt war die Familie Karamasow versammelt, den Dimitrij war schon seit einiger Zeit dort, wohnte aber nicht bei seinem Vater, würde der siebenzwanzig-jährige Sohn bei Fjodor Pawlowitsch wohnen, würden bestimmt sehr brisante Situationen entstehen, denn Dimitrij lag mit seinem Vater schon seit Jahren im Streit wegen eines Landstückes, welches ihm seine Mutter hinterlassen hatte, Fjodor Pawlowitsch es jedoch sich zu eigens gemacht hatte. Das Landstück muss ein Wert von etwa fünfundzwanzigtausend gehabt haben, doch Fjodor Pawlowitsch lies keine einzige Kopejke von diesem Geld sehen, bloß gab er seinem Sohn immer wieder Geld in Kredit, wenn Dimitrij ihn schon handfest bedrohte. Man könnte meinen dass Dimitrij wohl das Geld wohl bekämme wenn er mit dem Fall vor das Gericht gezogen wäre, doch verstand Dimitrij Fjodorowitsch nichts von solchen Dingen, das heißt er wollte es nicht verstehen. Für ihn waren Advokaten ein niederträchtiges Volk, er konnte schlichtweg mit solchen nicht reden, denn er wurde immer von dem Analysieren eines Tatbestands, zersetzend dessen in die kleinsten Teile, verwirt und fühlte sich schließlich wie ein kleines Kind, wenn man dann ihm eine Folgerung aus diesem aufredete, die er nicht verstand. Auch war das Geld für Dimitrij nur eine Nebensache ohne die man aber nicht Leben könne. Man hörte in der Stadt die Leute sagen, Dimitrij Fjodorowitsch verstünde nicht das Geld beisammen zu halten, man erzählte sich wie er vor einem Monat im Gasthaus von Mokroje, bei einem Gelage, dreitausend ausgegeben habe.

Außer dem Geld gab es zwischen Vater und Sohn eine noch vielleicht imenz wichtigere Streitfrage, nämlich die der Frauen. Denn Dimitrij war in eine besondere Frau verliebt, Agrafena Alexandrowna, Gruschenka. Einzig wenn er ihren Namen hörte, schlug sein Herz aus der Brust heraus, und er erlaubte keinem diesen Namen ohne Grund auszusprechen, als ob er sich abnutzen würde. Nun kannte diese Schönheit aber auch Fjodor Pawlowitsch, und ob Sie es glauben oder nicht, wollte dieser lüsterne Alte Gruschenka bezahlen damit sie zu ihm kommen würde, dreitausend Rubel wollte er ihr geben, jeden Abend ging er, in großer Hoffnung, bis in die Nacht hinein in seinem Zimmer umher, schaute aus dem Fenster und kippte nervös ein Gläschen Kognak nach dem anderen.

Die Eifersucht, die Mitja empfand, würde es vielleicht nicht geben, wenn Gruschenkas Herz nicht schon einem anderen gehört hätte, einem polischen Offizier, in den sie sich als siebzehn jähriges Mädchen verliebt hatte, der aber, nachdem er Gruschenka verführt hatte, geheiratet hatte und mit der Frau weggezogen war. Fünf lange Jahre waren, seit ihr Peiniger davon gefahren war, für Gruschenka vergangen, und noch immer konnte sie nicht anders als ihn zu lieben. Die Leute aber in der Stadt tratschten, sie sei wegen ihres Geldes zickig, und wolle Dimitrij Fjodorowitsch nur zugrunde richten. In Wahrheit aber, hatte Gruschenka dem Mitja von diesem Offizier, der ihr vor fünf Jahren Lieder vorgesungen hat, erzählt, nicht aber dass ihr Herz noch immer erbebte wenn sie an ihn dachte. Ob Fjodor Pawlowitsch die ganze Geschichte von diesem polnischen Offizier kannte, weiß ich nicht, doch könnte ich es mir nicht vorstellen dass dieser Lüstling von Gruschenka ablassen würde.

Noch einen weiteren Groll hatte Mitja mit den Frauen, war er doch mit Katharina Iwanowna, einer reichen Erbin, verlobt. Nicht dass man denkt, Dimitrij Fjodorowitsch hätte kein Gewissen, ganz im Gegenteil, doch er hat Katharina Iwanowna nie geliebt, und sie ihn auf eine Weise, welche man vielleicht nicht Liebe nennen würde sondern eher eine Art von aufersetzter Ehrfurcht gemischt mit verletztem Stolz, es schien so als ob sie etwas zu beweisen hätte, denn Katharina Iwanowna und Dimitrij Fjodorowitsch lernten sich bei einem gewissen Tatbestand, den ich nicht ganz erläutern möchte, kennen. Tatsache war damals, dass gegen Katjas Vater, der Verdacht der Geldveruntreuung bestand, viertausendfünfhundert Rubel, haben damals in der Kasse gefehlt, ihr Vater aber, er war ein ehrwürdiger, schon alter Mann, hat das Geld bei Pferderennen verspielt, und hatte kein verfügbares Bargeld mehr. Und als letzten Ausweg sah man damals, das Geld von einem Bekannten, Dimitrij Fjodorowitsch, zu leihen. Nun der hatte zu der Zeit wirklich soviel Geld in Kredit bi dem Vater bekommen, und als man ihn um das Geld bat, war er bereit es zu geben, und sagte die schöne Tochter, Katharina, solle das Geld am Abend abholen. Natürlich hatte man den Wunsch des Karamasow verstanden, und wollte Katja davon nichts wissen lassen, doch die bestand darauf solange, bis sie es schließlich erfuhr. Am Abend dieses Tages, kam Katharina Iwanowna in das Kwartier Dimitrij Fjodorowitschs, und klopfte leise an. Mitja hatte seine beste Kleidung angezogen, doch als er sie sah, bereit sich für ihren Vater hinzugeben, erfühlte ihn ein Hass gegen diese wunderschöne Gestalt, die vor ihm stand, ein Hass der am Abgrund einer unüberwindbar tiefen Liebe stand, dass er barsch, ohne einen Ton zu sagen, zu dem Schreibtisch ging, fünftausend Rubel herausnahm und Katja in die Hand drückte, und sie mit einem Blick wegschickte. Die Anklage gegen ihren Vater wurde, wegen des plötzlich aufgetauchten Geldes, fallengelassen. Dimitrij bekam das Geld drei Monate später vollständig zurück, doch sah er Katharina Iwanowna für ein halbes Jahr nicht mehr, erst als sie nach Moskau fuhr, bekam er von ihr einen Fetzelchen Papier auf dem nur stand, dass sie ihm aus Moskau schreiben werde. Dimitrij fuhr ihr nach, doch bevor Dimitrij erkennen konnte, dass Katja ihn nicht liebte, sondern, ihn mit ihrer Überspanntheit, für den damaligen Abend um Verzeihung bat, verlobten sie sich. Erst als Mitja auf Gruschenka traf, wurde es schlagartig bewusst, dass es keine Liebe war, die er für Katja empfand. Damals, mit Gruschenka, gab er in einer Nacht soviel Geld aus dass man auch heute noch, einen Monat später, die Leute davon sprechen hörte, besonders, weil man meinte das Geld habe er von Katja gestohlen. Oh! das Geld, dieses Geld bekam Mitja tatsächlich von Katharina Iwanowna, doch war es ein Geschenk an ihn, wusste sie doch, dass er niemals von ihr Geld annehmen würde, so gab sie ihm, als sie sah, dass er vor Armut stank, unter dem Vorwand er solle das Geld zur Post bringen dreitausend Rubel, ohne Zweifel hätte sie das Geld auch selbst dorthin bringen können, dachte sich später Dimitrij. Naja, Mitja riss den Kuvert auf und nahm das Geld, wie schon erwähnt, an sich... .

  
Verbrechen und Strafe. (Taschenbuch)
von Fjodor M. Dostojewskij
Siehe auch:
Die Brüder Karamasow.
von Fjodor M. Dostojewskij
Böse Geister.
von Fjodor M. Dostojewskij
Aufzeichnungen aus dem Kellerloch.
von Fjodor M. Dostojewskij
Der Idiot. (Dünndruck).
von Fjodor M. Dostojewski
 
    
     
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