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Dostojewskij: Die Brüder Karamasow

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Und es gibt noch eine Tatsache um Katja, welche sie wegen ihres Stolzes nicht annehmen konnte, und ich deshalb erwähnen sollte: das aufrichtige Begehren ihrer von Iwan Fjodorowitsch. Doch statt ihm in die Augen zu schauen, um in ihnen Liebe zu entfachen, kommandierte sie ihn herum.

Iwan lebte die Zeit über bei Fjodor Pawlowitsch im Haus und wurde von Gregorij genauso bedient wie der Hausherr selbst, ach ja, zu den Beinsteten gehörte bis auf Grigorij und seiner Frau Marfa noch ein Mann, Pawel Smerdjakow. Wie Paul Smerdjakow zu Fjodor Pawlowitsch kam, ist eine heikle Geschichte von der ich nur das nötigste berichten will: von der Mutter Pawel Smerdjakows, weiß man dass die eine stadtbekannte, obdachlose Geistesgestörte war genannt Lisawetta Smerdjatschnaja, Lisawetta, die stinkende, doch trotz ihres Namens und der Tatsache weshalb er ihr gegeben worden war, war sie bei den Leuten in der Stadt willkommen und gern gesehen, war sie doch friedlich und sanftmütig, bis auf einmal Lisawetta schwanger wurde. Man fragte sich damals wer wohl der schamlose Vater des Kindes sei, den Lisawetta vermochte nicht zu sprechen, und irgendwie muss es damals über Gerüchte in der Stadt durchgesickert sein das Fjodor Pawlowitsch, als er betrunken mit Freunden nach hause ging und sie auf Lisawetta getroffen haben, der Vater geworden sein, Fjodor Pawlowitsch wehrte sich gegen diese Behauptungen und Anschuldigungen entschieden. In dem darauffolgenden Winter, stieg die vom Wuchs her untersetzte Lisawetta Smerdjatschnaja, mit dem Kinde im Bäuchlein, über den hohen Zaun Fjodor Pawlowitschs und gebar vor Gregorijs Augen im stehen das Kind. Lisawetta starb jedoch bei der Geburt, sodass das Kind von Gregorij auf erzogen wurde. Man taufte den Jungen auf den Namen Pawel, und als Vaternamen, setzten alle ganz von selbst Fjodorowitsch hinzu, der hatte nichts dagegen und fand das sogar irgendwie drollig. Smerdjakow, so nannte ihn der mutmaßliche Vater nach dem Namen seiner Mutter, war sehr still, nicht das er schüchtern oder in großem Maße in sich verschlossen war, er redete nur nicht viel, schien aber doch immer über etwas nachzudenken, etwas heimtückisches vielleicht, und war anderen manchmal unheimlich, und oft unwillkommen. In seinem Inneren verachtete Smerdjakow die Menschen, sogar die ganze Menschheit, doch besonders Russland. Was ihn zu so einem tiefen Hass bewegt hatte, vermag ich nicht zu sagen, doch weiß ich, dass er in seiner Kindheit von Gregorij für sein rüpelhaftes Verhalten verprügelt worden ist, einmal sogar so stark, dass bei Smerdjakow am Tag darauf Epilepsie äußerte. Nun Smerdjakow konnte gut kochen und wurde deshalb von Fjodor Pawlowitsch eingestelt. Als Iwan Fjodorowitsch aus Moskau anreiste entdeckte wohl Smerdjakow in ihm eine Art Menschen, mit denen es sich lohnen würde zu unterhalten, vor allem hörte er aber nur zu.

Das Kloster der Stadt, in das Aljoscha eingetreten war, war im weiten Umkreis durch die Starzen bekannt, ein Starez war etwas besonderes in der orthodoxen russischen Kirche, er war so etwas wie der Älteste, der weiseste, was "Starez" auch eigentlich heißt, doch war er nicht der Führer des Klosters und auch nicht der das geistige Oberhaupt. Nun, das Kloster wurde mit den Starzen zu einem Wallfahrtsort, den früher hatte es sonst keine rühmlichen Dinge, weder ein großartiges Klostergebäude, noch wurden in ihm heilige Reliquien aufbewahrt. Starez Sosima wurde schon zu seinen Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt. Wenn er sprach hörte sofort jedes Gemenge von Menschen auf zu reden, und sie hörten ihm zu, und besonders unter den alten Weibern hörte man sagen er sei ein Wundervollbringer. Oft kamen Weltliche zum Starez in die Einsiedelei, man sah ihnen den Kummer in den Augen an, wenn sie jedoch vom Starzen Abschied nahmen, schauten viele von ihnen wieder froh drein, als ob er ihnen tief ins Herz geschaut hatte und durch wenige Worte die Menschen aus ihren Problemen, aus denen sie alleine nicht heraus zu kommen vermochten, eine Richtung aufzeigte. Starez Sosima war schon ein bejahrter Mann und war seit einer längeren Zeit krank. Er war durch die Krankheit sehr schwach geworden und man befürchtete im Kloster sein baldiges Ableben, was besonders Aljoscha nicht wahrhaben wollte. Über die Zeit hin ist seine geistige Verknüpfung mit dem Starez so gewachsen, dass er nicht wusste wie er sein weiteres Leben gestallten sollte, wenn das Undenkbare geschehe, "Du musst hinausgehen in die Welt, musst heiraten und Kinder kriegen, und du wirst ein guter Mensch werden", sagte der Starez Sosima einmal zu ihm. Der Starez, hatte wegen seines liberalen Glaubens im Kloster einige Gegner, dieser Glaube hatte als Fundament die rationale Aufrichtigkeit, der Starez hatte viel Lebenserfahrung, war doch in seiner Jugend Offizier, und hatte in seinem Leben mit vielen Menschen zu tun, und viele Schicksale verfolgt, er vermochte gutherzig den Menschen zu mustern, sah seinen Werdegang im Voraus. Er sagte das die Lüge und die Heuchelei, seien sie auch so klein sowohl gegenüber anderen als auch gegenüber sich selbst, die Schlange ist die den Menschen verführt das Paradies zu sehen. Und er glaubte an die Menschen, er sagte dass die Menschheit gar keine andere Wahl hätte als gut zu werden, das Gefühl nach Liebe das in jedem von uns steckt ist weitaus größer als jeder andere Drang. In seinem Glauben verurteilte er den Vatikan, "Die Kirche zu einem Staat wandeln ist die dritte Versuchung des Teufels" sagte er, und ich muss sagen dass ich hier mit ihm völlig übereinstimme. Tatsache ist dass als im dritten Jahrhundert nach Christi, das Römische Imperium christlich wurde, es die Kirche in sich einschloss und doch ein heidnisches Reich blieb. Die Kirche in ihm wurde in ihm ein Segment, sie veränderte sich, wurde sesshaft und politisch. Das Papsttum trat auf: ein Oberhaupt in der Kirche - wozu? habe ich mich immer gefragt, grenzt dies nicht an Heuchelei?, denn die Kirche steht unter den Menschen nicht über ihnen, sie ist ein Instrument den sich jeder bedienen kann um als Inpiduum zum Glauben zu kommen. Mit dem Papsttum griff die (heut. kath.) Kirche nach weltlicher Macht, strebte und strebt bis heute noch die Welt zu regieren, dabei sollte es genau umgekehrt sein, jeder Staat sollte seine Ziele verwerfen und nur die der reinen Kirche annehmen, was einen solchen Staat keineswegs entehren würde, er würde in höchstem Maase dem Menschen dienen. "Das Licht der Welt wird aus dem Osten kommen" pflegte der Starez zu sagen.

 

  
Die Brüder Karamasow. (Broschiert)
von Fjodor M. Dostojewskij,
Swetlana Geier
Siehe auch:
Aufzeichnungen aus dem Kellerloch.
von Fjodor M. Dostojewskij
Verbrechen und Strafe.
von Fjodor M. Dostojewskij
Böse Geister.
von Fjodor M. Dostojewskij
Der Idiot. (Dünndruck).
von Fjodor M. Dostojewski
 
    
     
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