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Dostojewskij: Die Brüder Karamasow

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Der alte Karamasow, kannte den Starez, und gab zum Anschein er sei die Streitigkeiten mit seinem Sohn leid, zumindest in den finanziellen Sachen, so schlug Aljoscha leichtfertig vor, sich beim Starez, in der Einsiedelei zu versammeln, doch kaum hatte der Alte an dem besagten Tag seinen Sohn erblickt, wollte er auch nicht mehr in irgendeiner weise verhandeln, statt dessen gab es ein Konzert, ja sogar ein Skandal, genau das war es was Aljoscha im nachhinein befürchtet hatte. Fjodor Pawlowitsch fing an vor dem körperlich geschwächten Starez den Hanswurst zu spielen, und zu behaupten, alle seien gegen ihn, also habe er noch mehr das Recht dazu. Tatsächlich aber, hatte wahrscheinlich bisher kein einziger Mensch, und sei es auch der dümmste Bauer, der in diesen Räumlichkeiten je gewesen sein mag, gewagt diesen Ort so zu entehren. Der Starez Sosima, allerdings, saß auf seinem Stuhle da, und sagte kein Wort, er sah dass Fjodor Pawlowitsch ein solcher Mensch war, und wurde nicht ärgerlich, er sah auch den aufrichtige Wut und den Zorn Dimitrij Fjodorowitschs über den Vater, und plötzlich stellte sich der Starez, ohne etwas zu sagen auf seine schwachen Beine, und machte eine Gäste, über die im Nachhinein, viel gerätselt wurde und ihr schließlich etwas wahrhaftiges und mysteriöses zugesprochen wurde: Der Starez stand auf, und ging, gestützt von Aljoscha, vor Dimitrij Fjodorowitsch, und mache schließlich ein Fußfall vor ihm, bis auf den Boden, sodass die Stirn auf dem Holz aufschlug. Wie gesagt, es wunderten sich alle Anwessenden sehr und fragten leise den Nachbarn was das zu Bedeuten habe. Dostojewskij verurteilt Dimitrij hier schon im Voraus auf seine allegorische Schuld am Mord seines Vaters. Schließlich gingen alle betrübt und zornig auseinander, besonders Aljoscha, dessen Befürchtungen, dass sich sein Vater nicht im geringsten verständlich gezeigt hatte, vollem Masse eingetroffen waren, war sehr traurig. Dimitrij war zornig aus der Zusammenkunft gegangen, er hatte nicht weiter über den Fußfall des Starez nachgedacht, er zürnte vor allem das sein Vater, solch ein Widerling, bei seiner Gruschenka, sein Rivale war. Oh ja, Dimitrij hatte große Angst und war schrecklich eifersüchtig nach allen Seiten. Der Gedanke seinen Vater mit Gruschenka zu sehen rührte in ihm ein Widerwillen auf den er nicht kontrollieren konnte. Dimitrij wollte in solchen Momenten den Alten erschlagen, und Fjodor Pawlowitsch wusste davon, viele wussten es, deshalb pflegte Fjodor Pawlowitsch sich immer einzusperren und nur abends die Türe zu öffnen wenn er ein bestimmtes Zeichen von Smerdjakow klopfen hörte, welches - und das ist typisch für Smerdjakow - er sofort an Dimitrij verraten hatte, den er fürchtete dass Dimitrij in seinem Zorn auch ihn erschlagen könnte.

Alleine Iwan ging erhobenen Herzens aus der Zusammenkunft, hatte doch der Starez ihm seinen Weg bestätigt, und ihm auferzeigt, dass Iwan mit seinem Herzen einen guten Weg geht. Denn Iwan kann nicht die Augen vor der Realität der Welt verschließen, er sieht dass das Leid der Welt groß ist. Wie kann ein liebender Gott, eine solche Welt zulassen, in der Unschuldige leiden müssen?, in der Kinder leiden können, Kinder, solange sie nicht das siebente Lebensjahr erreichen, sind völlig unschuldig, sie kennen den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht, sie können nicht denken einem anderen Menschen Leid beizubringen. Ich will hier ein Beispiel aus dem Buch nehmen: Es war in der düstersten Zeit der Leibeigenschaft, noch am Anfang des Jahrhunderts, gab es einen General, mit guten Beziehungen, der auch ein steinreicher Gutsbesitzer war, aber zu jenen Leuten gehörte die, wenn sie in den Ruhestand traten, fast überzeugt waren, dass sie sich das Recht über Leben und Tod ihrer Untergebenen Verdient hätten. Solche gab es damals. Nun, dieser General lebt auf seinem Gut, einen Gut von zweitausend Seelen, tut groß, behandelt seinen kleineren Nachbarn, als wären sie seine Schmarotzer. Er besitzt eine Meute aus Hunderten von Hunden, fast hundert Hundewärtern, alle tragen sie Uniform, und sind beritten. Und nun wirft eines Tages ein erst acht jähriger kleiner Junge, der Sohn eines Leibeigenen, beim Spielen einen Stein, und verletzt den lieblings Jagdhund des Generals am Bein. ,Warum hinkt mein Lieblingshund?’ , fragt der General. Man meldet ihm, das der kleine Junge einen Stein geworfen und den Hund am Bein verletzt habe. ,Ah, du warst das’, sagt der General und mustert ihn von oben bis unten, ,greift ihn!’, brüllt der General. Die ganze Nacht über saß der Junge im Arrestlokal. Am nächsten Morgen, kaum ist es hell geworden, will der General, im vollen Staat zur Jagd reiten. Er setzt sich aufs Pferd, umringt von seinen Schmarotzern, den Hundewärtern und Jägermeistern, die alle beritten sind, und den Hunden. Das ganze Hofgesinde ist versammelt, und vorn vor allen anderen steht die Mutter des schuldigen Knaben. Man führt den Knaben aus dem Arrestlokal heraus, es ist eine düsterer, kalter, nebeliger Herbsttag, prachtvoll zur Jagd. Der General befiehlt, den Knaben zu entkleiden, das Kind wird ausgekleidet, es zittert, ist vor Angst von Sinnen, und traut sich nicht zu mucksen. ,Hetzt ihn!’ Kommandiert der General. ,Lauf, Lauf!’ rufen die ihm Hundewärter zu, und der Knabe läuft... ,Ihm nach!’ brüllt der General, und lässt die ganze Meute der Windhunde auf ihn los. Vor den Augen der Mutter hetzt er das Kind zu Tode, und die Hunde reißen ihn in Stücke!... Wenn der Preis der Freiheit der Menschen das Leid eines einzigen Kindes und seiner Mutter wäre, wie könnte ein liebender Gott dann eine solche Welt erschaffen, welcher Mensch könnte in einer solchen Welt leben? ,Ich will die Freiheit nicht, ich will jemanden der mir Brot gibt’ sagt der Mensch in seiner Verzweifelung, den er sieht, das alles was er anpackt zu Stein wird, wir sehen aktuell die BSE Krise, und den Nord-Süd Konflikt vor uns, hätte Jesus damals, in der Wüste, die Versuchungen des Teufels angenommen, so hätte er alle Macht über die Menschen haben können, die Menschen wären ihm zu Füssen gelegen und hätten getan, was er von ihnen verlangte. Doch Jesus lehnte diese Art von Macht ab und antwortete: "Der Mensch lebt nicht von Brot allein!". Und plötzlich sehen wir das Leid Gottes vor uns, mit dem die Freiheit des Menschen erkauft wurde, und es glüht in unserem Herzen auf: ‚Ich werde hart arbeiten Herr, ich werde mein Brot verdienen, und ich werde Dich preisen, denn Gerecht bist Du!’.

 

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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